24.07.2011 – Mein erster Ironman

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Hier nun mein persönlicher Bericht rund um mein IRONMAN-Spektakel. Am Donnerstag vor dem Wettkampf war ich mit meiner Frau Nicole und meiner Tochter Shila bereits in Frankfurt angekommen. Hotel lag prima zwischen dem Startbereich am See und dem Zielbereich auf dem Römerberg. Der Donnerstag und der Freitag wurden genutzt, um die Gegend zu erkunden. In der Innenstadt wurde bereits kräftig mit den Aufbauarbeiten für den i-Day begonnen. Auch gleich am Donnerstag holte ich mir aus dem Rathaus die Startunterlagen ab. Alles ging ganz locker zu, auch der Andrang hielt sich in Grenzen. Zu meiner Verwunderung gab es zu den Startunterlagen noch einen schönen IROMAN-Rucksack dazu. Na ja bei 446,25 Euro Startgeld wäre ein Finisher T-Shirt und eine Medaille auch etwas wenig. Mich hat’s auf jeden Fall gefreut. Nun hatte ich meine Startnummer, die 1520, in der Hand. Die Nervosität in mir stieg nun langsam an. Am Freitag fuhr ich dann mit dem Auto einmal die Radstrecke ab, um mir ein genaues Bild davon zu machen. Nach wenigen Kilometern hielt ich an und ließ Nicole ans Steuer. Ich war zu aufgeregt! So hatte ich nun als Beifahrer mehr Ruhe um mir alles anzuschauen. Um 14:30 Uhr war die obligatorische Wettkampfbesprechung in der Eissporthalle. Dort war nun schon so richtig was los. Ca. 1.000 Athleten auf einen Haufen. Auch meine Trainingspartner vom Trisport Schwerin traf ich dort wieder. Chris, Stephan und Rüdiger mit Ihrem Gefolge. Die Wettkampfbesprechung war noch mal sehr aufschlussreich, da viele Luftbildaufnahmen der jeweiligen Streckenabschnitte gezeigt wurden. Und für mich ganz wichtig, noch mal eindringlich benannt, die bei Nichteinhaltung die Disqualifikation nach sich ziehen. Also alles im Kopf abgespeichert und nun noch nervöser. In der Nacht von Freitag auf Samstag konnte ich kaum schlafen. Zu viele Gedanken rund um den Wettkampf kreisten in meinen Kopf. Aber körperlich fühlte ich mich nach wie vor fit. Seit dem Donnerstag habe ich in Frankfurt ständig noch Athleten gesehen, die entweder mit dem Rad oder in den Laufschuhen, einige Trainingskilometer abspulten. Ich hingegen war der Auffassung, was bis jetzt nicht antrainiert ist, kann mir im Wettkampf auch nicht mehr helfen und so ließ ich es ganz locker angehen und gönnte mir viel lieber im Straßencafé eine Latte. Am Samstagnachmittag war dann am Waldsee der Radcheck-In. Hier dann auch wieder alles überseht mit Menschenmassen. Athleten und deren Angehörige oder einfach nur Neugierige, die das Treiben beobachten wollten. Noch mal die Startbeutel geprüft, ob alles in den richtigen Taschen ist, das Rad zum hundertsten Mal geprüft – beruhigend – immer noch alles in Ordnung. Dann den Helm aufgesetzt, noch ein Foto geschossen und drin war ich. Ein riesiger Radpark. Etliche Räder standen schon und ein freundlicher Helfer namens Wolfgang begleitete mich zu meinem Wechselbereich und wies mich noch mal auf einige wichtige Dinge hin. Jetzt noch mal ab zum Wasser schauen. Wow – so viele waren jetzt noch mal mit Ihren Neos im Wasser und schwammen einige Meter. Das hätte ich nicht erwartet. Ich blieb cool und trank lieber einen Milchcafé und betrachtete die verschiedenen Schwimmstile vom Strand aus. Es war aber schon zu spüren, dass der Wind deutlich auffrischte und ein leichter Wellengang breitete sich über den See aus. Und jetzt auch noch das! Es fing an zu regnen. Zum ersten Mal seit ich in Frankfurt war und gleich wieder innerliche Kopfbewegung. Wie wird das Wetter morgen sein??? Zurück im Hotel wartete auch schon meine nächste Fangruppe. Daniel und Beate sind extra für zwei Nächte nach Frankfurt gekommen, um mich zu unterstützen. Einfach PRIMA!!! Abends noch beim Italiener etwas Kohlenhydrate gesammelt und gegen 22 Uhr ging es ins Bett. Aber an schlafen war nicht zu denken. Es ging einfach nicht! Immer wieder der Blick zu Uhr. Erst 23 Uhr dann 0:40 Uhr und 1:30 Uhr. Es war wohl bei mir eher ein Ruhen bis dann 04:45 Uhr der Wecker endgültig beschloss, es ist nun Zeit aufzustehen. Toilettengang, Zähneputzen, Klamotten gegriffen und um fünf Uhr morgens war dann Abfahrt Richtung Waldsee. Gefrühstückt wurde im Auto, denn die Mädels hatten schon am Abend zuvor die Brötchen geschmiert. Am Waldsee war dann schon wieder voll der Trubel los. Der großzügige Parkplatz bot auch schnell einen geeigneten Platz fürs Auto! Aus der Ferne war schon Musik zu hören. Der etwa zehnminütige Fußweg zum See war übersät mit sichtlich angespannten Sportlern. Noch 45 Minuten bis zum Start – für die Profis waren es nur noch 30 Minuten. Die Family kräftig gedrückt und dann verschwand ich in die Wechselzone. Zu den 2.300 Rennmaschinen gesellten sich die passenden Fahrer und jeder war mit sich selbst beschäftigt. Ich zog mich in aller Ruhe um, trank immer mal wieder einen Schluck, ließ mir noch einen Power-Riegel gut schmecken. Dann ging ich ein paar Reihen durch den Radgarten und traf Chris, der ebenfalls voll in seiner individuellen Vorbereitungsphase steckte. Wir wünschten uns gegenseitig viel Glück, ich zog mir meinen Neo über, schnappte mir Badekappe und Schwimmbrille und ging ab zum Strand. In der ganzen Aufregung hab ich voll vergessen den Luftdruck bei meinen Rädern zu prüfen – aber egal – ich hatte noch nie einen Platten im Wettkampf! (schnell auf Holz geklopft) Oh Schreck – ich kam gar nicht bis in Wasser, ein Stau von in Neopren gezwenkten Sportlern mit grünen Badekappen. Die Profis plus ca. 300 Triathleten, die fast Profis sind, waren bereits im Wasser und warteten auf den Startschuss. 6:45 Uhr wurden sie unter Beifall von zahlreichen Zuschauern auf die 3,8 km geschickt. Was für ein Anblick! Jetzt durften wir Age-Grouper auch ins 20 Grad warme Wasser. Die Luft hatte nur ca. 10 Grad. Ich hielt mich im knietiefen Wasser auf und wartete auf den Start. 7:00 Uhr es ging los, rein in die Fluten mit 1.800 weiteren Verrückten. Ein Kurs von 2 Runden (1×2,1 km dann kleiner Landgang und dann 1×1,7km) musste bewältigt werden. Ich kam gut rein, hatte nur wenig Körperkontakt auf der ersten Runde, und war fast schon überrascht, dass die erste Runde so gut für mich lief. Auf der zweiten Runde wurde es im Wasser etwas enger und nun bekam ich einige Tritte ab. Die ein oder andere Hand streifte auch mal meinen Kopf aber alles noch zu verkraften. Nach 01:24:16 war mein Schwimmen erledigt und ich war froh wie Hulle, da ich vor dieser Schwimmdisziplin den größten Respekt hatte. Den See verlassen, ging es eine Sandhügel ca. 60 Meter bergauf und dann noch mal ca. 100 Meter zu meinem Fahrrad. Erst hier merkte ich, dass es angefangen hatte zu regnen. Noch mal kurz überlegt, dann noch für die Armlinge und die Regenjacke entschieden. Socken und Schuhe angezogen, den Helm aufgesetzt, die Startnummer angelegt, das Rad geschnappt und Richtung Radstartlinie gelaufen. Für den ganzen Wechsel benötigte ich 06:58 Minuten.
180 Kilometer Rad standen vor mir und es regnete. Noch nass vom Schwimmen wurde es sofort kalt und die Socken waren nach wenigen Kilometern bereits durch. Aber ich fühlte mich körperlich nach wie vor gut. Nach ca. 25 km der erste Anstieg – gemeistert und wenig später dann der Hühnerberg, auch den gemeistert aber immer mit dem Gedanken im Kopf hier ja noch ein zweites Mal vorbeifahren zu müssen. Und immer wieder Regen, Wind und 11 Grad. Bereits jetzt sah ich viele Sportler an den Straßenrändern, die von Helfern mit Wärmedecken versorgt wurden. Durchbeißen hieß die Devise. “DNF is no Option” Did not finish steht in der Ergebnisliste, wenn der Sportler das Ziel nicht erreicht! Und das will eigentlich keiner – ich erst recht nicht! Also weiter strampeln und den Tip von meinem Schweriner Triathlon-HERO Frank Baalke zu Herzen nehmen. An die vierte Disziplin denken! Essen und Trinken und das tat ich auch. Die letzten 40 Kilometer der ersten Runde gingen dann fast flach und mein Kopf bereitete sich langsam vor, ab da dann wieder mehr Gas zu geben. Daraus wurde aber nichts. Mein Kopf bekam gleich eine neue Aufgabe, sich auf 40 Kilometer mit teils heftigen Gegenwind einzurichten. Es war brutal! Bei Kilometer 80 wartete dann der “Heartbreak Hill” Ein schrecklich langer Anstieg mit Tour de France Feeling. Wie in Spalier standen die Zuschauer und hielten für uns Fahrer eine 2 Meter breite Gasse. Was für ein Erlebnis! Die erste Runde absolvierte ich trotz der Umstände recht gut und lag voll im Zeitplan. Ich merke aber auch, dass ich dieses Tempo unter den Gegebenheiten keine zweite Runde durchhalten würde, denn es soll ja auch noch ein Marathon folgen. Also nahm ich etwas Tempo raus und fuhr ruhiger. Aber nach dem Hühnerberg wollte ich es mal wissen. Die steile Abfahrt hinunter bin ich dann mal voll in die Pedalen getreten und kam auf  maximal 79,1 km/h. Wahnsinn!!! Und dann fuhr ich wieder ruhig weiter. Unterwegs immer wieder Leute mit Platten. “Bitte ich nicht” habe ich immer zu mir gesagt. Da haben alle Räder, die bis zu 10.000 Euro kosten und so viele mit einem Plattfuss. Ich habe bestimmt zwischen 50 und 100 Athleten gesehen, die am Straßenrad Ihren Schlauch wechseln mussten. Das kann doch nicht sein! Ich, der ja zwei linke Hände hat und beim Schlauchwechsel mit Sicherheit 15 Minuten Zeit verloren hätte, blieb zum Glück verschont. Nur noch einmal den “Heartbreak Hill” hoch quälen und dann ging es nur noch bergab Richtung zweiter Wechselzone. Dort standen auch schon Helfer bereit, die mir mein Rad nach 05:56:41 abgenommen haben. Ich wäre gerne 25 Minuten schneller gewesen, aber das Wetter hat nicht mehr zugelassen. Ein weiterer Grund war mit Sicherheit auch, dass ich mich zu sehr auf meine Lieblingsdisziplin, dem Radfahren, verlassen habe. In meiner gesamten Vorbereitung bin ich nur 2x über 100 Kilometer Rad gefahren bin. Das war zu wenig! Trotzdem war ich mit mir bis hier hin schon zufrieden und war mir sicher zu finishen.
Jetzt noch der Marathon! In der Wechselzone schnell trockene Socken angezogen, Basecap aufgesetzt, Brille getauscht, die Laufschuhe angezogen und das Dixi besucht. Nur noch 42 Kilometer und es ging gut los, ich hatte super Beine und lief in der ersten Stunde ganze 12,5 Kilometer. Jede Verpflegung mitgenommen und ich konnte weiter viel Plätze gutmachen. Bis zum Halbmarathon hielt ich einen Schnitt von unter  5 Minuten pro Kilometer. Jetzt konnte ich mir etwas Zeit lassen für die zweite Hälfte. Ich würde auf jeden Fall mein Ziel von unter 4 Stunden für den Marathon erreichen. Einen Schreckmoment gab es aber noch. Bei Kilometer 34 bekam ich plötzlich megastarke Knieschmerzen, so dass ich ca. 1 Kilometer komplett gehen musste. Dann waren die Schmerzen aber verflogen und ich konnte die letzten Kilometer Richtung Ziel in Angriff nehmen. Jetzt kommt der rote Teppich, das Ziel ist nicht mehr weit. Ich höre schon die Zuschauer und den Stadionsprecher vom Römerberg. Gänsehaut, dann noch drei vier Läufer überholt! Jetzt der Zielkanal, einfach der Hammer, ich versuche zu lächeln, und ich glaube es gelingt mir. Dann sehe ich meine Familie und Freunde, höre wie meine Tochter meinen Namen ruft und ich laufe nach 11:14:38 über die Ziellinie. Ich bin ein IRONMAN!!! Fast neun Monate disziplinierte Vorbereitung haben sich ausgezahlt. Der 10. IRONMAN in Frankfurt wird als härtester in die Geschichte eingehen. Ich habe der Witterung getrotzt, bin eisern geblieben und habe mir den Titel IRONMAN verdient. Ich bin überglücklich, meine Zeit ist fantastisch, habe mir vorgenommen unter 12 Stunden zu bleiben. Ziel erreicht! Aber auch noch genug Luft für eine Zeitverbesserung gelassen. Nach der heißen Dusche schnell zu meiner Familie und meinen Freunden, die den ganzen Tag bei dem Sauwetter mit mir mitgefiebert haben, fest in den Arm genommen und DANKE DANKE DANKE …. für den Rückhalt, für den Freiraum, für das Verständnis, für die Unterstützung, für die Liebe. Mein Traum ist Wirklichkeit geworden!