Mein IRONMAN 70.3 in Zell am See

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Es ist mehr als nur Triathlon – es ist ein IRONMAN! Für 2013 ist der IRONMAN Zell am See mein sportlicher Höhepunkt. Das Training über den Sommer war nur auf dieses Event ausgerichtet und nachdem ich im Juni in Berlin das Rennen mit so einem blöden DNF (Did not finish)beenden musste sollte in Österreich alles besser werden.
0050P1000531Wir, das waren meine Familie Nicole und Shila sowie mein Radgiganten-Mitstreiter Daniel, für den es der erste IRONMAN sein sollte, sowie seine Frau Beate, machten uns bereits am Donnerstag in der Früh mit dem Auto auf nach Zell. Etliche Male vorab wurde die Ausrüstung geprüft, ob wir wirklich alles mit hatten – bloß nix vergessen! Am frühen Nachmittag waren wir bei herrlichem Wetter an unserem Hotel angekommen. In Ruhe checkten wir ein, machten einen Spaziergang über die Anlage und begaben uns wenig später auf den Weg, um mit dem Auto die Radstrecke abzufahren. Trotz der wunderschönen bergigen Landschaft war die Radstrecke doch eher flach. Die 638 Höhenmeter auf den beiden Radrunden würden also für einen aus dem flachen Norden zu wuppen sein. Am Freitagvormittag fuhr ich mit Daniel bei Sonnenschein die Radrunden einmal locker ab. Anschließend liefen wir entspannt knapp 4 Kilometer aus. Das sollte für bis Sonntag reichen. Ich war echt noch ganz locker noch überhaupt nicht nervös. Ganz anders als 2011 beim IRONMAN in Frankfurt. Die restliche Zeit vertrieben wir uns gemeinsam mit Ausflügen rund um den Zeller See. Am Samstag vor dem Wettkampf war dann die Akkreditierung mit anschießender Wettkampfbesprechung die wir aufmerksam verfolgten. Am Nachmittag erfolgte dann der Check-in unserer Räder und die Abgabe unserer Wechselbeutel. Hier musste ich dann zum ersten Mal die Stirn runzeln. Man war dass eine riesige Wechselzone! Eine Sportplatzanlage aus zwei Fußballfeldern musste bei den beiden zu absolvierenden Wechseln fast komplett umrundet werden. Die ca. 700 Meter würden natürlich einiges an Zeit kosten, denn auch die Wechselzeit fließt in die Gesamtabrechnung mit ein. Dafür war die Schwimm- und Laufstrecke wieder perfekt. Am Abend wurden üblicherweise Massen an Nudeln verzerrt. Ich ließ es mir aber nicht nehmen und gönnte mir jeden Abend ein bis zwei kühle Weizen.
Die Nacht vor dem Wettkampf konnte ich gut schlafen und da der Wettkampf erst um 10 Uhr startete, mussten wir auch nicht, wie in beim Frankfurter IRONMAN halb in der Nacht aufstehen.  Am Morgen öffnete Nicole die Fenstervorhänge und verkündete dunkelgrauen Himmel und Regen. Da hatten wir die drei Tage zuvor Bilderbuchwetter und nun das! Na ja bis zum Start sind es noch drei Stunden. Ein Brötchen dazu einen heißen Tee zum Frühstück und dann begaben wir Fünfe uns auf zum Startbereich. Da war natürlich schon richtig was los. Daniel und ich prüften unsere Räder schauten noch mal in unserer Wechselbeutel und machten uns für unser Wettkampf-Highlight 2013 startbereit. Unsere Frauen wünschten uns Glück und dann verschwanden wir im Getümmel von Neopren und grünen Badekappen.
0092P1000547Punkt zehn Uhr ertönte der Donner der Startkanone und ich machte mich auf die 1,9 kilometerlange Schwimmstrecke im 20 Grad warmen klaren Wasser. Die ersten 200 Meter waren noch recht holperig aber dann zog sich das Feld immer weiter auseinander und ich konnte in Ruhe die Bojen umrunden. Beim Schwimmausstieg kurz zur Uhr geschaut unter 40 Minuten das Teilziel war erreicht. Ein kurzer Augenkontakt mit meinen Mädels und dann ab durch die endlos lange Wechselzone. Helm, Radbrille, Radschuhe und Armlinge sowie Startnummernband aus dem Wechselbeutel geschnappt und weiter Richtung Rad gelaufen. Es regnete und ich war mir nicht ganz sicher ob die Armlinge reichen würden. Aber nun gab es kein Umkehren mehr, denn meine Regenjacke hab ich im Wechselbeutel gelassen. Ab auf meine geile Rennmaschine und Druck auf die Pedalen. Der Regen war mittlerweile so stark, dass ich meine Radbrille abnehmen musste, um noch klar sehen zu können. Aber auf dem Rad lief es gut, die Beine hatten richtig Power und meine Debello-Laufräder rollten richtig gut. Dafür klapperte mein Oberkörper  aufgrund der Nässe und Kälte erheblich. Die Temperaturanzeige meines Radcomputers zeigten magere 10 Grad an. Was soll`s Augen zu und durch! Bei Kilometer 14 überholte ich Daniel, der fast fünf Minuten früher aus dem Wasser kam als ich. Die erste Radrunde verging wie im Flug auch wenn die nassen Straßen so manch heikle Situation auf dem Rad mit sich brachte. Ich überstand sie alle. Viele andere Athleten waren in Stürze verwickelt, da sie meist nicht rechtzeitig die Geschwindigkeit in den schnellen Abfahrten drosseln konnten. Meine zweite Radrunde verlief ebenso „fast and furious“ wie die Erste. Erst kurz vor Erreichen der Wechselzone bemerkte ich, dass ich kaum etwas getrunken hatte. Meine einzige Trinkflasche die ich am Rad dabei hatte war noch voll. Durch das Wetter waren meine Arme bis hin zu den Fingern so unterkühlt, dass ich auch kaum die Trinkflasche aus dem Flaschenhalter bekommen hätte. Immer kurz bevor ich zu Bremsmanövern ansetzte bewegte ich meine Finger um sie etwas aufzuwärmen, um etwas Gefühl reinzubekommen, damit ich richtig anbremsen konnte. Die einzige Verpflegung die ich mir während der 90 Radkilometer gönnte waren 4 Energy-Gels. Würde sich das rächen?
0221-P1000603Ich kam in die zweite Wechselzone und mein Radcomputer blieb bei 02 Stunden 22 Minuten und 54 Sekunden stehen. Was für eine Radzeit! Darauf hätte ich vorab nicht gewettet. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 37,8 km/h über 90 Kilometer. Das zweite Teilziel war somit mehr als erreicht und so habe ich dann auch gleich den langen ersten Wechsel wieder gutgemacht. Die Maschine geparkt und den Beutel mit den Laufschuhen geschnappt. Jetzt nur noch einen Halbmarathon laufen! Der Regen hatte kurz vor Ende der Radstrecke aufgehört und so war wenigstens das Laufen eine trockene Angelegenheit. Auch die Zuschauer profitierten davon und waren jetzt massenweise an der schönen Laufstrecke zu sehen. Drei Runden mussten gelaufen werden, wobei die erste Runde viel schneller war als ich mir vorgenommen hatte. Da ich bei Rad das Trinken völlig vernachlässigt hatte, achtete ich penibel darauf alle 2,5 Kilometer bei jeder Verpflegungsstelle nach allem Flüssigen zu greifen was mir in die Finger kam. Auf der zweiten Laufrunde bei einem kurzen knackigen Anstieg hatte ich einen kleinen Einbruch und musste extrem kämpfen. Nachdem ich dann aber meine Familie am Straßenrad gesehen hatte lief es besser und ich war zusätzlich motiviert für die letzten Kilometer. Auf meiner dritten Laufrunde sah ich noch mal Daniel, der bis hier hin auch noch richtig gut aussah und auf eine Endzeit zulief, die weit unter seinen persönlichen Erwartungen lag. Bei Kilometer  19 plötzlich ein Krampf im hinteren linken Oberschenkel. Sofort bin ich stehen geblieben und hab versucht den Muskel zu massieren. Zu meinem Glück ließ der Schmerz kurze Zeit später nach und ich konnte meine Lauf fortsetzten. Die letzten Meter durch den Zielkanal waren ein Genuss und das erreichen des Zielbogens eine Erlösung, Was für eine Endzeit? Den Halbmarathon bin ich im Schnitt in 4 Minuten 18 Sekunden gelaufen (Gesamt 01:30:48) Das hätte ich mir nie träumen lassen! Der Wahnsinn! Trotz dieser elend langen Wechselzonen, die mich 10 0226-IMG_3481Minuten 52 Sekunden kosteten hab ich eine Endzeit von 04:43:42 erreicht.  MEGAGEIL!!! Ich wäre mit vier Stunden und 59 Minuten schon zufrieden gewesen. Wenn ich mir so meine Fotos vom Raceday anschaue sehe ich echt ganz schön abgekämpft aus. Ich hab echt alles gegeben. Platz 27 in der Altersklassenwertung und 175. der Gesamtwertung von fast 2000 Teilnehmern ist für mich ein Hammer-Ergebnis! Wenn ich nur noch schneller Schwimmen könnte wäre ein Slot (WM-Startplatz) nicht mal mehr unrealistisch.
Und wiedermal hatte ich ein unglaubliches Supportteam, bestehend aus meiner Frau Nicole meiner Tochter Shila und auch Beate war wie in Frankfurt wieder mit dabei, um mich zu unterstützen. Ich kann es gar nicht Worte fassen, was es in einem bewirkt, nach vier Stunden Wettkampf, der Puls am Anschlag, der Körper japst nach Sauerstoff, du bist voll am Limit und dann siehst du deine Familie und Freunde die deinen Namen rufen und dich anfeuern – da geht in einem die Redbull-Dose auf und du spürst einen Energieschub, dein Adrenalin brodelt, die Augen werden feucht und du merkst genau dafür lebst du. Dieser Moment ist unbeschreiblich …