Ein ganz hartes Stück Arbeit

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Puhhh, das hätte ich so nicht erwartet bei der IRONMAN Europameisterschaft in Wiesbaden. Da bin ich schon über zehn Jahre beim Triathlon, habe im Vorfeld mit einigen
2014-IROMAN Wiesbaden-Split013Bekannten über dieses Event gesprochen und alle möglichen Artikel und Berichte aufgesaugt, die ich finden konnte. Ich bin sogar am Samstag vor dem Wettkampf die Strecke mit dem Auto noch abgefahren. Aber Auto ist nicht Fahrrad! Auch der Sprecher bei der Wettkampfeinweisung hat mehrmals betont, dass es die Rad- und Laufstrecke in sich haben. Das Ergebnis zählt – ich bin ein IRONMAN 70.3 Wiesbaden 2014!!! Aber mal zurück auf Anfang. Am Freitag bin ich mit meiner Family in Wiesbaden angereist und kaum als wir das Hotelzimmer betraten sind wir auch alle samt ins Bett gefallen. Der Samstag startete mit einem guten Frühstück bevor es dann zur Wettkampfbesprechung ging. Eine ganze Stunde verfolgte ich aufmerksam dem Sprecher, der uns alle wichtigen Infos rund um den Wettkampf gab. Applaus kam auf, als der Sprecher nach Startern fragte, die überhaupt ihren ersten Triathlon hier in Wiesbaden in Angriff nehmen wollten, und siehe da, es gingen so einige Arme nach oben. Mit Blick auf die herausfordernde Strecke wünschte er diesen Startern mit einem breiten Grinsen im Gesicht besonders viel Glück. Nach der Wettkampfbesprechung holte ich mir meine Startunterlagen ab und schlenderte noch mal über die Expo. Gegen 15 Uhr ging es dann zum ca. 20 Kilometer entfernten Waldsee wo der Schwimmstart und der Rad Check-in stattfand. Alles verlief soweit reibungslos, der Radgarten war sehr übersichtlich nur war kein See zu sehen. Da wusste ich schon, das der Weg aus dem Wasser zum Fahrrad wieder sehr weit sein musste. Dann doch noch d
2014-IROMAN Wiesbaden-Split001en Baggersee entdeckt und anhand der aufgestellten Bojen den Schwimmkurs im Kopf abgefahren. Wechselbeutel noch abgegeben und dann ab zum Italiener. Zum Abendbrot eine fette Pizza plus Weizenbier und dann ging es rechtzeitig ins Bett. Schlafen war, wie immer bei mir vor so einem Wettkampf nicht wirklich drin. Es war mehr ein Ruhen mit einigen Toilettengängen in der Nacht. Viertel vor sechs wurde ich vom iPhone geweckt und meine Frau meine Tochter und ich machten uns so langsam fertig. Unser Hotel stellte für seine Gäste, die meisten ebenfalls Starter so wie ich, ein Frühaufsteherfrühstück zur Verfügung. Dann ging es mit dem Auto zum Schwimmstart. Parkplatz gefunden und den 500 Meter langen Fußmarsch zur Wechselzone. Ich hatte noch ausreichend Zeit, denn mein Schwimmstart erfolgte erst 8:15 Uhr. Die Profis mussten bereits um 7:30 Uhr Ihren Wettkampf aufnehmen. Alles war bereit, das Rad noch mal geprüft, den Neo angezogen und ein Bussi von Frau und Tochter abgeholt. Nun war die Zeit ran und meine Startgruppe durfte ins Wasser. Zu „Hells Bells“ von AC/DC begann mein 70.3 IRONMAN. Ich kam sehr gut ins Schwimmen und hatte wirklich ein gutes und lockeres Gefühl. Die 1,9 Kilometer vergingen für mich wie im Flug und so überraschte es mich doch etwas, dass ich bereits 35:42 Minuten aus dem Wasser kam. Somit lag ich auf Platz 795 von insgesamt 2000 Startern nach dem Schwimmen. Auf dem Rad verliefen die ersten Kilometer für mich normal. Es regnete nicht, mein Tempo war gut aber nach etwa 8 Kilometern war der erste kurze knackige Anstieg da, der schon zu erkennen ließ, was noch auf mich zukommen sollte. Nach 22 gefahrenen Radkilometern war die Welt für mich mit einem 38,5er Schnitt noch voll in Ordnung. Dann ging es durch Wiesbaden und am Ortsausgang in Richtung Taunus (Mittelgebirge in Hessen & Rheinland-Pfalz). Hier wartete dann gleich der längste und härteste Anstieg. Ich glaube so 10 bis 12 Kilometer ging es nur Bergauf. Ich mochte gar nicht mehr auf Tacho sehen, denn meine Durchschnittsgeschwindigkeit schmolz im Minutentakt. Dabei war ich im Anstieg noch einer von den Fahrern, der viele überholte, als selber überholt zu werden. Nach einer halben Ewigkeit oben angekommen offenbarte mein Tacho mir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade mal 29 km/h. Was für ein Schock für mich, dabei wollte ich doch mit einen Schnitt von 33,5 km/h in die zweite Wechselzone einfahren. Ich wusste, daraus würde jetzt nichts mehr werden. Trotzdem war mein Gefühl nicht so schlecht, da ich immer noch mehr am Überholen war, als selber überholt zu werden. Wenn es steil bergauf ging, musste es natürlich auch mal steil bergab gehen. Und so war es natürlich auch. Wie einige Andere diese Abfahrten auf teilweise nasser und  kurvenreicher Straße genommen haben war der absolute Wahnsinn. Ich hatte nicht soviel Gottvertrauen und habe meine Zeigerfinger lieber nicht von der Bremse genommen und bin lieber etwas vorsichtiger die Pisten heruntergerast. Das war auch gut so, denn später beim Laufen konnte man so einige Athleten mit bösen Schürfwunden sehen. Um so mehr Respekt, dass diese Sportler trotzdem den Willen haben zu finishen und nicht einfach aufgeben. Beim Radfahren ging es ständig auf und auf. Zum verrückt werden. Es gab nicht einmal ein Stück, wo es 10 Kilometer einfach halbwegs flach zuging. Ich bin eigentlich ein guter Radfahrer, brauche aber auch Strecken, wo man kontinuierlich gleichmäßig fahren kann.
2014-IROMAN Wiesbaden-Split008Hier war es das komplette Gegenteil. Die Beine brannten und noch war ich nicht in der zweiten Wechselzone angekommen. Mein Schnitt hatte sich aber zum Glück wieder leicht verbessert, so war er zumindest wieder über 30 km/h. Zum Glück ging es die letzten Kilometer der Radstrecke nur bergab und konnte mein Bike laufen lassen, die Beine ausruhen und die Geschwindigkeit genießen. Nach 2:56:17 und über 1.500 Höhenmetern war mein Radsplitt dann zu Ende. Ziel war es eigentlich 12 Minuten schneller zu sein, aber mehr wäre echt nicht gegangen. Und mit der 373 schnellsten Radzeit war ich auch gar nicht so langsam. Mein zweiter Wechsel verlief superschnell. Rad abgegeben die Laufschuhe angezogen und ab ging die Post. Ich wusste ich kann die ersten 10 Kilometer recht zügig laufen und dann werde ich mich ganz schön quälen müssen, da wegen meiner Rückenprobleme die letzten 10 Wochen kaum an Lauftraining zu denken war. Aber der Rücken machte heute keine Probleme und ich konnte mit schnellen Schritten mich Platz für Platz weiter vor kämpfen. Auch die Laufstrecke war nicht ohne. Hier waren auch insgesamt 188 Höhenmeter zu überwinden. Nach den ersten beiden von vier Laufrunden war ich am Limit. Zum Glück sah ich jede Runde meine beiden Frauen bei denen ich immer kurz anhielt, um mich noch mal pushen zu lassen. An den Verpflegungspunkten nahm ich alles auf, was ich in die Hände bekam. Zuerst zwei Becher Wasser über den Kopf, dann ein Isogetränk gefolgt von einem Becher Cola, dann wieder zwei Becher schön kaltes Eiswasser über den Kopf und zum Anschluss zwei Nassgetränkte Schwämme gegriffen, die den Körper zusätzlich eine Weile kühlen sollten. Und ich kämpfte mich durch den Halbmarathon mit 01:35:58 in der 262 schnellsten Zeit. Zum Abschluss noch mal gesteigert, das hätte ich selber nicht erwartet. So kam ich glücklich in der von mir gesteckten Zielzeit von unter 5 Stunden 15 Minuten ins Ziel. Gesamtplatzierung 386. und Altersklasse 49. Die Uhr hielt bei mir bei 05:14:19 an und ich war voll zufrieden, emotional berührt diese scheiß-harte Strecke bezwungen zu haben. Somit ist der IRONMAN Wiesbaden für mich abgehakt und ich komme maximal als Staffelschwimmer hierher zurück, den Rest tue ich mir nicht mehr an. (versprochen)