IRONMAN 70.3 Gdynia

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Wenn der Körper streikt muss der Kopf retten was noch zu retten ist. So könnte mein sportliches Fazit für den IRONMAN 70.3 in Gdynia lauten.
Dabei lief alles wie geplant. Meine Vorbereitung lief super, die Trainingsergebnisse waren zufriedenstellend und der Veranstalter hat mit einer einmaligen Location ein großartiges Event vorbereitet.
Sonntag früh ab 7 Uhr morgens war dann wieder der ganz besondere Triathlon-Spirit am Strand von Gdynia zu spüren. 2300 Athleten tummelten sich zwischen Wechselzone und Schwimmstart. Jeder mit seinen eigenen Ritualen beschäftigt, wartend darauf, dass der Kanonendonner endlich ertönt. 8 Uhr ging es dann für die Profis los auf die 1,9 km lange Schwimmstrecke. Zehn Minuten später dann die Agegrouper im Rollingstart-Modus. Endlich mal keine Drängeleien auf dem Kurs, so konnte ich mich von Anfang an auf mein Schwimmen konzentrieren. Und ich war sehr zufrieden, denn nach 36:44 Minuten war die erste Disziplin erledigt. In aller Ruhe den Wechselbeutel geschnappt, anschließend im Wechselzelt den Neo aus dafür Radhelm und Radschuhe an und ab zum Fahrrad. Die ersten Radkilometer führten flach aber kurvig auf meist schlechten Straßen durch die Stadt. Nach noch nicht mal 10 km ging es in den ersten Anstieg. Wir waren zwar direkt an der Ostsee aber irgendwie hätte es auch der Harz sein können. Damit hätte ich so nicht gerechnet. Bis Kilometer 50 gab es nicht einen Abschnitt der mal 2km einfach war. Das kostete natürlich Körner aber dank Wattmesser hab ich hier auch nicht überzogen. Bis Kilometer 60 hatte ich gerade mal einen 30er Schnitt was schon etwas deprimierend für mich war. Auf dem letzten Drittel der Radstrecke wurde es zum Glück flacher und auch wieder schneller. Nur ein starkes Unwetter mit Starkregen, heftigen Wind und Hagelschauer sorgte für etwa 10 Minuten für etwas Hektik im Fahrerfeld. Ich blieb sturzfrei und kam nach 2:44:30h auf dem Rad wieder in die Wechselzone. Hier war noch alles ok, machte beim Umziehen noch mit Trikollege Christian Brade ein paar Scherze.
Ab auf die Laufrunde und Attacke – dachte ich! Aber daraus wurde nix. Mein Magen fing an zu krampfen, da half nur das Dixi aufzusuchen. Entleert ging es aber nicht wirklich besser weiter. Mein Körper weigerte sich neue Nahrung und Flüssigkeiten aufzunehmen. Dann nochmal Übelkeit und Brechreiz bekommen. Nach 6 überstandenen Kilometern stand endlich meine Frau an der Strecke. Ein vertrautes Gesicht, Pause nehmen, Leid klagen, aufbauen lassen. Mit den Worten, dass es noch ein langer Tag werden würde ging es Richtung zweite Laufrunde. Es wurde auch nicht besser, ich hangelte mich von Verpflegungsstelle zur nächsten. Wasser und Iso wollte mein Körper immer noch nicht aufnehmen aber in aufgeschnittene Apfelsinen konnte ich beißen. Die Stimmung an der Strecke war auf jeden Fall super ich konnte auch trotz meines körperlichen Leidens die Stimmung richtig genießen. Auch auf der zweiten Runde wieder bei meiner Frau angehalten, die mich aufbaute, um mit letzter Energie auf die abschließende Laufrunde zu gehen. Ich ging fast 2km am Stück, in der Hoffnung, das Trikollege Christian Brade noch mal zu mir aufschließt. Und so war es auch. Somit konnten wir die letzten 6 Kilometer gemeinsam bestreiten und uns gegenseitig aufbauen.
Auf der langen Zielgeraden ins Stadion hinein strahlten unsere beiden Gesichter wie von selbst, so überwältigend war die Stimmung, die wir förmlich aufsaugten und unser Finish wirklich richtig genießen konnten.
Medaille und Finisher-Shirt abgestaubt. Minimalziel erreicht, dank eines eisernen Willens, denn DNF is no Option.
Diese war nun meine zweite Mitteldistanz dieses Jahr. In fünf Wochen geht es dann zu meinem dritten Streich in 2018 zur Challenge 70.3 nach Amsterdam.